Es geht um die Ostsee: Der Fischerei-Verband warnt, dass strengere Vorgaben beim Hering kleine Betriebe gefährden können. Die Bundesregierung hat sich bereits geäußert.
Der Deutsche Fischerei-Verband kritisiert den Vorschlag der EU-Kommission, den Fang von Hering in der Ostsee weiter einzuschränken, als existenzbedrohend für kleine Familienbetriebe. Das sagte der Generalsekretär des Verbands, Peter Breckling, der Deutschen Presse-Agentur.
In der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee dürfen Dorsch und Hering weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Eine Ausnahme gilt für Fischer, die passiv – etwa mit Stellnetzen – in Küstennähe Hering fangen. Gemeint ist die kleine Küstenfischerei, die den Großteil der deutschen Ostseefischer stellt. Die Ausnahme soll nach Vorstellung der Kommission 2026 wegfallen.
Ausnahme für kleine Küstenfischerei gefordert
Breckling sagte: „Es muss weiterhin eine Ausnahme für die kleine Küstenfischerei auf Hering mit Stellnetzen geben, weil nur dadurch die Existenz der kleinen Familienbetriebe mit Direktvermarktung gesichert werden kann.“ Es handle sich etwa um Fischer, die ihren Fang direkt am Kai an Passanten verkauften.
In der westlichen Ostsee sollen nächstes Jahr 42 Tonnen Dorsch gefangen werden dürfen, was einem Rückgang um 84 Prozent entspricht. Der Heringsfang soll sich auf 394 Tonnen halbieren. „Die vorgeschlagene, weitere Kürzung dieser schon sehr geringen Quoten ist unsinnig“, sagte Breckling. Die „symbolischen Mengen“ könnten nicht zur Bestandserholung beitragen.
Keine Mengenerhöhung beim Schollenfang geplant
Auch monierte Breckling, dass die Kommission dagegen ist, dass Fischer künftig mehr Schollen fangen dürfen. Die Plattfischbestände, besonders der Scholle, seien gestiegen. Es mangle den Fischen deshalb an Nahrung. „Es ist rätselhaft, warum es hier keine Quotenerhöhung gibt.“ Der Schollenfang in der gesamten Ostsee soll nach EU-Vorschlag um drei Prozent auf 10.973 Tonnen sinken.
Mitgliedsstaaten entscheiden über Mengen
Die Kommission erarbeitet jedes Jahr Vorschläge, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf. Mit der Begrenzung soll verhindert werden, dass Bestände kollabieren. Final beschlossen werden die Mengen dann von den Fischereiministerinnen und -ministern der EU-Staaten.
Die Minister befassen sich im Oktober mit dem Vorschlag. Sie sind nicht an die wissenschaftlichen Empfehlungen gebunden. Regelmäßig beschließen sie Fangmengen, die über den Empfehlungen liegen. Die Gesamtmenge wird in nationale Quoten aufgeteilt.
Bundesregierung will „fairen Kompromiss“
Die Bundesregierung hat bereits am Mittwoch angekündigt, sich für weitere Fangmöglichkeiten der deutschen Ostseefischer einsetzen zu wollen. In den Verhandlungen auf EU-Ebene werbe man für einen „guten und fairen Kompromiss“, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Berlin.