Krebsmedikamente, Drogen-Ersatz, Abnehmmittel: Immer häufiger versuchen Kriminelle, mit gefälschten Rezepten in Bayerns Apotheken Beute zu machen. Wie Ermittler reagieren.
Mit gefälschten Rezepten versuchen Betrüger in Bayerns Apotheken immer häufiger, an verschreibungspflichtige Medikamente zu kommen. Genaue Zahlen kann das bayerische Landeskriminalamt (LKA) zu den Fällen zwar nicht nennen. Aber: „Ganz grundsätzlich lässt sich sagen, dass in den vergangenen ein bis zwei Jahren eine Steigerung an Fallzahlen für das Einbringen gefälschter Rezepte zu verzeichnen ist“, sagte eine LKA-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Im laufenden Jahr verharre die Zahl der gemeldeten Fälle bisher auf dem höheren Niveau.
Zu den bei Betrügern besonders gefragten Mitteln zählen demnach zum Beispiel Antidiabetika, die aktuell auch als Abnehmmittel und für Diäten verwendet werden. Die Landesapothekerkammer nannte auf Nachfrage als besonders begehrte Beute „teure Medikamente, wie Krebsmedikamente, sowie Lifestyle-Arzneimittel wie „Abnehmspritzen“ (Wegovy, Ozempic) und Mittel mit Abhängigkeitspotenzial“.
Betrüger scheitern oft an aufmerksamen Mitarbeitern
In den meisten Fällen, von denen die bayerische Polizei wisse, hätten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Apotheken die Fälschungen rechtzeitig erkannt, sagte die LKA-Sprecherin. „Dadurch entstand dann bei den Apotheken zumeist kein finanzieller Schaden.“
In vielen Fällen nahmen Polizisten die mutmaßlichen Betrüger fest – zuletzt unter anderem einen 18-Jährigen, der in München ein gefälschtes Rezept eingereicht hatte und die Ermittler zu mutmaßlichen Fälschern in Hannover und Mannheim führte.
Ermittler verschicken Warnhinweise an gut 1.000 Apotheken
Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in bayerischen Apotheken gegen die Betrugsversuche zu wappnen, hätten das LKA und die Münchner Polizei im Frühjahr Warnungen an rund 1.000 Apotheken geschickt. Darin stünden auch Hinweise, wie man gefälschte Rezepte häufig erkennen kann. Meist würden die Fälschungen falsche oder widersprüchliche Daten enthalten, zum Beispiel ausgedachte Namen oder Praxisstempel mit Fehlern – und sie würden oft in Apotheken eingelöst, der fernab der angeblichen Arztpraxis liegen.
Die Landesapothekerkammer teilte mit, die Fälschungen in Papierform seien inzwischen „teilweise so gut“, dass sie „sehr schwer“ oder „kaum noch zu erkennen sind“. Aber auch beim E-Rezept gebe es keinen vollkommenen Schutz vor Fälschungen.
Werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter misstrauisch, empfehlen die Ermittler ein klares Vorgehen: die womöglich gefälschten Rezepte behalten, nach Möglichkeit schnell und unauffällig die Polizei informieren und, sofern machbar, die mutmaßlichen Betrüger in ein Gespräch verwickeln, bis die Beamten bei der Apotheke sind. Anzeige sollte zudem in jedem Fall erstattet werden.